Es muss nicht immer Highend sein: Kurztest Sony Xperia Sola

Trotz des Trends zu großen Display-Diagonalen haben auch kleinere Smartphones weiterhin Ihre Existenzberechtigung. Mit gefälligem Design und einer neuartigen, Floating Touch genannten Bedienungs-Technologie versucht sich das Sony Xperia Sola im Mittelklasse-Segment zu behaupten. Mit Erfolg?

Wenn man sich die Trend-Smartphones der letzen Monate, beispielsweise das Samsung Galaxy Note, das Motorola RAZR oder aber das Sony Xperia S anschaut, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass die Smartphone-Hersteller immer mehr auf ausladende Displays in HD-Auflösung setzen. Und die Kundschaft greift bereitwillig zu, schließlich sorgen großzügige, hochauflösende Displays für ein beeindruckendes visuelles Erlebnis beim Anschauen von Fotos und Videos, und machen zudem auch das Betrachten von Webseiten und Ebooks angenehmer.

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Die Kehrseite der Medaille: Die hellen und hochauflösenden Riesen-Displays saugen auch den stärksten Akku in kürzester Zeit leer. Zudem ist es nicht Jedermanns Sache, als Telefon einen gigantischen Klotz mitzuschleppen. Grund genug also für Leute wie mich, weiter auf eher kleinere Smartphones zu setzen. Allerdings ist mein geliebtes Sony Xperia Ray mittlerweile zu langsam, um vollgepflastert mit Widgets noch flüssig zu laufen. Finde ich im Sony Xperia Sola den passenden Ersatz…?

Kompaktes Design & solide Verarbeitung

Als Freund zurückhaltender Schlichtheit habe ich mir ein schwarzes Testgerät geholt; daneben ist das Sony Xperia Sola auch in den Farben rot und weiß erhältlich. Die Formgebung zeichnet sich durch schmucklose Eleganz aus. Die Rückseite des Sony Xperia Sola ist (wie inzwischen bei sehr vielen Smartphones) mit einer haptisch angenehmen Beschichtung versehen, wodurch das Xperia Sola trotz seines kantigen Designs sehr gut in der Hand liegt.

Xperia Sola Vorderseite

Xperia Sola Rückseite

Xperia Sola Oberseite

Das Sony Xperia Sola kommt mit drei Hardware-Tasten aus: An der linken Gehäusekante befindet sich der An-Aus-Schalter, der gleichzeitig als Displaysperre fungiert; die rechte Gehäusekante beherbergt die Lautstärkewippe sowie die Kamerataste. Die Android-Tasten “Zurück”, “Home” und “Kontextmenü” sind als Sensortasten realisiert. Daneben ist auch der Micro-USB-Port an der rechten Gehäusekante angebracht. Die Gehäuserückseite beherbergt neben der Kameraeinheit mit Objektiv und Fotoleuchte lediglich noch den Systemlautsprecher. An der Oberseite befindet sich der Headset-Anschluss; die untere Gehäusekante nimmt das Mikrofon auf.

Insgesamt finde ich das Design gelungen; das einzige, was mir persönlich nicht zusagt, ist, dass der untere Gehäuseteil mit dem “Xperia”-Logo wie eine Treppenstufe vom vom Rest abgesetzt ist. Da ich eher “monolithische” Handys bevorzuge, gefällt mir dieser Designkniff nicht, ich muss aber zugeben, dass dieses Design nicht unpraktisch ist – immerhin weiß man so auch ohne Hinzuschauen (bspw. beim Griff in die Hemdtasche), wo beim Sola-Handy oben und unten ist. Über dem Xperia-Logo befindet sich ein schmaler Leuchtstreifen, der das Logo bei Aktivität (Displayberührung etc.) beleuchtet.

Xperia Sola rechte Seite

Xperia Sola linke Seite

Xperia Sola Unterseite

Das Design mag Geschmackssache sein; an der Verarbeitung gibt es hingegen nichts zu bemängeln: Das Gehäuse ist stabil und verwindungssteif; lediglich die Gehäuserückseite gibt an einigen Stellen unter Druck etwas nach.

Ausstattung & Lieferumfang

Im Lieferumfang befinden sich neben dem eigentlichen Handy Standardbeigaben wie ein USB-Datenkabel, ein Netzteil-Adapter, In-Ear-Kopfhörer sowie eine deutschsprachige Kurzanleitung. Da das Xperia Sola über ein NFC-Modul verfügt, liefert Sony noch ein SmartTag mit, welches bei entsprechender Programmierung des Handys Aktionen wie z.B. den Aufruf bestimmter Webseiten auslösen kann.

Link: Weitere Informationen zu den Xperia SmartTags auf der Sony-Webseite

Mit nennenswerten Software-Beigaben hält sich das Sony Xperia Sola vornehm zurück; erwähnenswert ist lediglich eine Testversion der Navigationssoftware Wisepilot – mir persönlich gefällt die Android-eigene Navigationslösung jedoch besser.

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Das Xperia Sola nimmt SIM-Karten in “Normalgröße” auf; ein Adapter für Micro-SIM-Karten wird praktischerweise ebenfalls mitgeliefert. Das 3,7 Zoll große Display verfügt über eine Auflösung von 854 x 480 Pixeln und wird von stabilem, laut Sony kratzresistentem Glas bedeckt. Für gelegentliche Schnappschüsse ist eine 5-Megapixel-Kamera an Bord; Videos werden in HD-Auflösung aufgezeichnet.

Angetrieben wird das Sony Xperia Sola von einem mit 1 GHz getaktetem ARM v7 Doppelkern-Prozessor, dem an Arbeitsspeicher 512MB RAM zur Seite stehen. Der interne Speicher beträgt 8GB; davon sind ca. 5GB für den Nutzer frei verfügbar.

Technische Eckdaten

  • 3.7″ TFT-Display mit 854 x 480 Pixel
  • Betriebssystem: Android 2.3.7 Gingerbread
  • CPU: ARM v7 Dual-Core Prozessor mit 1 GHz Takt
  • Arbeitsspeicher: 512MB RAM
  • 8GB interner Speicher, davon ca. 5GB verfügbar
  • 5 Megapixel-Kamera mit Autofokus und HD-Videoaufnahme
  • Abmessungen: 116 x 59 x 10 mm
  • Gewicht: ca. 110g

 

Alles im Fluss: Die Bedienung

Sony stattet das Sola mit Android 2.3.7 aus; ein Upgrade auf Android 4.0 ist für das 2. Quartal 2012 geplant. Meine Vermutung ist, dass vielleicht auch aus Performance-Gründen ein betagteres Android zum Einsatz kommt – schließlich hat Gingerbread doch etwas geringere Hardware-Anforderungen als Ice Cream Sandwich, und wer bereit ist, für ein neueres Smartphone-Betriebssystem geringe Performance-Einbußen in Kauf zu nehmen, kann ja später noch upgraden.

Eine Besonderheit des Sony Xperia Sola ist die als “Floating Touch” betitelte Möglichkeit zur berührungslosen Bedienung des Displays. Dies wird realisierbar, weil das Display des Xperia Sola einen menschlichen Finger bereits einen knappen Zentimeter über der Touchscreen-Oberfläche wahrnehmen kann; Multitouch-Gesten sind allerdings nur bei klassischer Berührung des Displays möglich. Der praktische Nutzen der “Floating Touch” Technologie bleibt meiner Meinung nach überschaubar: Ehe ich mich dem Display mit einem Finger nähere, aber kurz vorher stoppe, kann ich auch gleich das Display “richtig” berühren. Immerhin kann man aber im Freundeskreis für offene Münder sorgen, wenn die Sony-eigene Hintergrundgrafik wie von Geisterhand dem eigenen Finger folgt.

Eine weitere Besonderheit des Sony Xperia Sola ist das integrierte NFC (Near Field Communication) Modul, welches den berührungslosen Austausch von Daten über kurze Distanzen von wenigen cm ermöglicht. Die bekannteste Anwendung ist das Mobile Ticketing System “Touch&Travel” der deutschen Bahn; weitere Anwendungsmöglichkeiten von NFC sind das bargeldlose Bezahlen oder die Nutzung des NFC-Moduls zur Zugangskontrolle.

Beim Sony Xperia Sola kann das NFC-Modul mithilfe der etwa münzgroßen, optional erhältlichen SmartTags zudem auch zur Steuerung des Smartphones eingesetzt werden.

SmartTag Infos

Weitere Infos

SmartTag gefunden

Aktion hinzufügen

In der Werbewirklichkeit von Sony sieht das dann so aus, das man verschiedene SmartTags erwirbt und diese mit der jeweils gewünschten Aktion programmiert. An den jeweiligen Orten platziert, lösen diese SmartTags dann passende Reaktionen wie z.B. den Anruf bestimmter Programme oder aber die Aktivierung bzw. Deaktivierung der Funkverbindungen aus.

Ebenfalls bemerkenswert finde ich, dass man mit systemeigenen Mitteln Screenshots erstellen kann – einfach kurz die Ein- und Ausschalttaste gedrückt halten, “Bildschirmfoto erstellen” auswählen, fertig. Dieses Feature kennt man allerdings auch von anderen neueren Xperia-Smartphones. Erwähnenswert sind weiterhin der Sony-eigene Musikerkennungsdienst TrackID sowie die Fernbedienungs-App Media Remote, mit der sich aktuelle Unterhaltungselektronik von Sony (von Sony Fernsehern bis hin zu Sony Blu-Ray-Playern) steuern lässt.

Praxisgerechte Performance

Nicht jeder braucht ein Highend-Smartphone wie das HTC One X oder das Samsungs Galaxy S3, welche mit ihren hochgezüchteten Vierkernprozessoren über eine Rechenleistung verfügen, welche ich mir früher für meinen Desktop-PC gewünscht hätte. Ein Doppelkern-Prozessor ist allerdings schon zweckmäßig, soll ein Smartphone mit modernen Nutzungsgewohnheiten mithalten. So lassen sich auf dem Sony Xperia Sola problemlos mehrere Anwendungen parallel betreiben, ohne dass das Handy ins Stocken gerät.

System (vollgemüllt) System (clean) Samsung Galaxy S2 Panasonic Eluga
 AnTuTu Benchmark 4770 5413 6135 4593
 NenaMark2 25,5 fps 28,2 fps 50,4 fps Absturz
 PassMark PerformanceTest Mobile (Overall) 1337 1452 1838 1838
 Quadrant Standard Edition 2242 2250 3855 1340
 Vellamo Mobile Web Benchmark 839 879 1200 638

Damit ihr euch ein einigermaßen objektives Bild von der tatsächlichen Performance des Sony Xperia Sola machen könnt, habe ich mein Testgerät durch einen kleinen Benchmark-Parcour gejagt: Einmal mit einem möglichst nackten System mit möglichst wenigen Hintergrund-Anwendungen, und einmal ein “natürliches” System, in dem Nachrichten-, Wetter- und SocialMedia-Widgets im Hintergrund laufen.

Quadrant Standard

Smartbench 2012

Sunspider 0.9.1

Vellamo Mobile Web

Fazit: Zwar fällt das Xperia Sola im Vergleich zu aktuellen Highend-Smartphones deutlich ab, man sollte aber bedenken, dass die Performance für den Alltagseinsatz mehr als zufriedenstellend ist.

Display & Kamera

Sony hat dem Xperia Sola eine 5-Megapixel-Kamera spendiert. Das hört sich erstmal nicht nach viel an, bekanntlich kommt es aber für gute Bilder auf mehr Faktoren an als bloß auf die reine Auflösung des Bildsensors. Und obwohl das Sony Xperia Sola im Gegensatz zu seinen größeren Brüdern Sony Xeria P und Sony Xperia D nicht über den speziell von Sony entwickelten Exmor R Sensor verfügt, überzeugen die aufgenommenen Bilder mit einer überraschend guten Qualität, welche für die allermeisten Handynutzer mehr als ausreichend sein dürfte.

Egal ob Portraits, Landschafts- oder Nahaufnahmen: Bei guten Lichtverhältnissen darf man sich über helle und konstrastreiche Fotos freuen, die Dank der zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten alle gängigen Anforderungen an eine gute Handykamera abdecken.

Einstellungen

Szenenmodi

Schwenkpanorama

Die selbsterstellten Fotos & Videos schaut man sich in der Regel zuerst auf dem Handy-eigenen Touchscreen an, und das punktet mit einer scharfen Darstellung, knackigen Farben und einer guten Blickwinkelstabilität. Einziger, aber gravierender Nachteil ist die schwache Displayhelligkeit, wodurch die Displayinhalte bei hellem Umgebungslicht schwer abzulesen sind. Für Innenräume reicht die Leuchtstärke des Sony Xperia Sola Displays aber absolut aus.

Fazit: Gelungenes Kompakt-Smartphone mit kleinen Schwächen

Das Sony Xperia Sola hat mich positiv überrascht, denn angesichts der günstigen Marktpreise von rund 260 Euro hielten sich meine Erwartungen in Grenzen.

Überzeugende Ausstattung zum kleinen Preis: Sony Xperia Sola

Aber trotz des niedrigen Preises ist es Sony gelungen mit dem Xperia Sola ein handliches Smartphone zu bauen, welches ein gefälliges Design mit einer soliden Verarbeitung und einer für den Alltagseinsatz angemessenen Performance verbindet. Als Sahnehäubchen bietet das Xperia Sola ein NFC-Modul sowie die neuartige Floating-Touch Bedienung, welche zwar nicht lebensnotwendig sein mag, aber recht unterhaltsam ist, und im Freundeskreis für erstaunte Gesichter sorgt.

Leider trübt das relativ dunkle Display den ansonsten positiven Gesamteindruck. Auch dass der Akku fest verbaut ist, und sich nicht austauschen lässt, dürfte nicht jedem Smartphone-Käufer gefallen. Wer aber mit dem nur mäßig hellen Display und dem fest verbauten Akku leben kann, und ein kompaktes, schickes und leistungsfähiges Smartphone mit einem hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis sucht, der dürfte mit dem Sony Xperia-Sola mehr als zufrieden sein.

Pro & Contra

+ hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ solide Verarbeitung
+ NFC-Modul

- dunkles Display
- fest verbauter Akku

About the author  ⁄ Daryush Ghassemi

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