HPs schlechte Quartalszahlen: Kriegt der Riese noch die Kurve?

Hewlett Packard hat schon wieder Verluste gemacht. Die aktuellen Quartalszahlen seien vor allem wegen des Zukaufs der Software-Firma “Autonomy” so schlecht, heißt es, denn diese hätte vor der Übernahme deutlich mehr Wert vorgetäuscht, als tatsächlich vorhanden gewesen sei. Von den 11,5 Milliarden US-Dollar, die das Unternehmen mal gekostet hat, bleiben wegen der neuen Verlustabschreibung von 8,8 Milliarden gerade noch zweienhalb Milliarden “echter” Wert übrig. Der angestrebte Klageweg gegen die ehemaligen Autonomy-Chefs ändert daran auch nichts mehr.

Ungeachtet der bösen Geschichte um den Zukauf von Autonomy wird es nach Unternehmenseinschätzung wohl noch bis 2016 dauern, bis die aktuelle Talsohle durchschritten ist, auch wenn nicht ganz klar ist, was denn nun genau verbessert werden soll. Man kann sicher davon ausgehen, dass die Amerikaner sich weiter breit aufstellen und im Soft- und Hardwarebereich weiter pushen, aber das machen andere auch. Welche Wachstumsmärkte HP ansteuert und wo und wie sie sich Alleinstellungsmerkmale erarbeiten wollen, das wird eben nicht deutlich.

Aber gut, lieber sorgfältig und langsam, als schnell geschossen und am Ende dicke Miese gemacht. Genau das ist ja der Vorwurf, dem sich Leo Apotheker nach seinem zwangsweise Abgang von HP nicht mehr stellen muss, obwohl er den Deal ja eingestielt hatte. Die ehemaligen Vorstände von Autonomy sollen aber auf jeden Fall vor den Kadi gezerrt werden, was eine langwierige Angelegenheit werden dürfte.
Die Hoffnung auf Rückerstattung eines Teils des Kaufpreises von 11,5 Milliarden US-Dollar sollte sich jedenfalls als Luftschloß (wahlweise Börsenberuhigungspille) erweisen. Nicht nur, dass die anderen ja jetzt auch ein ganz nettes Budget für Anwälte haben, im Zweifel werden die Profiteure einfach nichts mehr zum Zurückzahlen haben.

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Man kann HP also nur raten, sich auf zukunftsweisendere Baustellen zu konzentrieren. Von dem Versuch, sich die 8 Milliarden US-Dollar auf dem Gerichtsweg zurück zu holen, kann man wohl dennoch kaum abraten, auch wenn hauptsächlich die Juristen davon profitieren werden. Eine unschöne Situation in die HP sich da rein manövriert hat, das sehen auch die Börsianer so.
So sank der Aktienkurs nach Bekanntgabe der Zahlen erneut auf nun nur noch knapp 10 US-Dollar, womit in den letzten zwei Jahren gut 80 % an Wert verloren gegangen sind. Sicher könnte bald auch die Unlogik der Börse zuschlagen (sell on good news, buy on bad news) und der Kurs wieder steigen. Darauf verlassen kann man sich aber eben nicht; manche Werte werden auch komplett fallen gelassen.

HP reitet also weiter auf der Klinge. Um das Geschehen wieder in eine positive Richtung zu schubsen bräuchte es jetzt mal ein paar positive News…denn fehlen tut es vor allem an Innovationskraft. Viele solcher Fehltritte können sie sich jedenfalls jetzt nicht mehr erlauben, die Rücklagen sind bald aufgebraucht.

About the author  ⁄ Matthias Schleif

Blogger mit Bastelneigung, kaufmännischer Ader und sozialem Anspruch, seit 2008

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