Mit der kabelgebundenen Maus G600 will Logitech vor allem den MMO-Gamern den Mund wässrig machen – immerhin bietet der handfreundliche Nager drei statt zwei Haupttasten und kommt mit 12 frei programmierbaren Daumentasten, die z.B. mit komplexen Makros für die aktuellsten Games belegt werden können.
Doch kann die MMO-Maus halten, was sie verspricht? Wir haben den Neuzuwachs der Logitech-Produktreihe in unserem Test unter die Lupe genommen!
In der Sparte der Gaming-Peripherie sind die Ansprüche der Nutzer unter verschiedenen Aspekten besonders hoch. Jeder Zocker hat seine persönliche Präferenz in Sachen DPI-Empfindlichkeit – während Lowsenser durch niedrige Bewegungseinstellungen auf eine besonders präzise Bewegung Wert legen, legt der Highsenser mit kurzen Mausbewegungen lange Strecken zurück. Sogar, ob es sich bei dem jeweiligen Modell um eine kabelgebundene oder kabellose Maus handelt, kann bei vielen Gamern letztlich über die Anschaffung entscheiden. Natürlich führt auch das bevorzugte Spiel-Genre zu besonderen Ansprüchen: Für MMO-Gamer, deren Charaktere mit einer Vielzahl an Fähigkeiten ausgestattet sind, sind frei programmierbare Tasten fast schon ein Muß. Hier werden einzelne Spells oder komplexe Makros einer Taste zugewiesen, die natürlich auch ideal platziert und leicht erreichbar sein muss.
Eine besonders umfangreiche Ausstattung wie die 12 Daumentasten kann die Anwahl der Fähigkeiten per Keyboard ergänzen oder gar ersetzen – im Idealfall eine große Erleichterung für den Spieler, der so schneller reagieren und bequemer steuern kann. Auf dem Datenblatt macht die Logitech G600 jedenfalls einen guten Eindruck – ob sie auch beim Zocken überzeugen kann, haben wir für euch ausgiebig getestet.
Die MMO-Maus ist sowohl in weiss als auch in schwarz erhältlich und schlägt momentan mit 74,90€ zu Buche.
1. Verpackung und Lieferumfang
Die Logitech G600 kommt in einer großzügigen Verpackung, die natürlich im herstellertypischen Grün gehalten ist. Aufgeklappt lässt sich das Objekt der Begierde und dessen Eigenheiten schon einmal genauer begutachten.
Ausgepackt wird klar: Der Lieferumfang ist übersichtlich gehalten. Die G600 wird einzig von einer mehrsprachigen Bedienungsanleitung sowie Sicherheits- und Garantieinformationen begleitet.
Doch was möchte man mehr zu einer Maus – die passende Software ist für den Einsatz nicht zwingend notwendig, wenn auch mehr als empfehlenswert, und auf der Logitech-Homepage zum Download verfügbar.
2. Design und Verarbeitung
Die Logitech G600 hebt sich in der Linienführung klar von den anderen Modellen der Logitech G-Reihe ab – die kurze Bauform kommt ohne die gefällig-geschwungener Einkerbungen an den Seiten. Der kleine Nager besitzt eine matte Oberfläche in beiden Farbvarianten – wer die glänzend lackierten Modelle präferiert, hat leider Pech gehabt, denn hier lässt sich die Oberschale nicht auswechseln.
Das Daumentasten-Feld nimmt einen Großteil der linken Längsseite ein und wird durch die glänzend schwarze Einrahmung akzentuiert. Dabei sind die Tasten nicht flach, sondern jeweils zur Mitte und den Rändern des Tastenfeldes geschwungen – das erleichtert die Orientierung auf dem 12-Tasten-Feld auch ohne Kontrollblick auf die Maus.
Und weil beleuchtete Peripherie beim Gamer besonders gut ankommt, setzt Logitech auf individuell einstellbare LED-Beleuchtung: Die Beschriftung der G-Tasten offenbart sich beim ersten Anschließen und kann später nach Wunsch angepasst werden.
Die Oberschale ist durch die seitliche Einrahmung regelrecht abgehoben – ein genauerer Blick verrät: Im Bereich der Tastenfelder ist am Spalt ordentlich Platz, um Schmutz und Staub potentiell Einlass zu gewähren.
Gleich ins Auge fällt natürlich auch das Drei-Tasten-Feld: Hier wurde seitlich ein kleiner Bereich des üblicherweise rechten Tastenfeldes abgezwackt. Das verbreitert die G600 allerdings nur marginal im Vergleich zu ähnlichen Modellen. Die rechte Längsseite wurde mit einer strukturierten Gummi-Oberfläche versehen, die bündig mit der oberen Schale abschließt.
Neben dem Scrollrad finden sich auch zwei weitere Tasten auf der Oberseite: Die G7 und G8-Tasten sind unter dem Rad platziert und durch unterschiedliche Höhen voreinander abgehoben.
Der Logitech-Nager besticht alles in allem durch den Eyecatcher in Form des beleuchteten Daumentastenfelds und hebt sich durch die kürzere, hinten abgeschnittene Form klar von den restlichen G-Modellen ab.
In unserer weißen Variante wirken die schwarzen Akzente besonders gut – hier lässt Logitech eine gewisse Apfel-Coolness walten, gepaart mit MMO- oder Makro-Nutzer-orientierten Details. Die G600 sticht auf dem Schreibtisch zwischen unserer restlichen, schwarz gehaltenen Peripherie deutlich hervor – in Verbindung mit einer beleuchteten Tastatur gefällt sie uns besonders gut.
Die Verarbeitung ist Logitech-typisch tadellos – die G600 wirkt robust und wie für lange Gaming-Nächte geschaffen. Hier stört kein Knarzen oder Quietschen den Zocker, sämtliche Oberflächen und verwendeten Materialien wirken wertig. Auch das stoffummantelte Kabel mitsamt Klett-Schnellverschluss ist ein wertiger Pluspunkt. Einzig das schon erwähnte großzügige Spaltmaß an der Vorderseite, das sich durch die Bauform ergibt, sind wir von Logitech nicht gewohnt.
3. Programmierung, Funktionen und Software
Eingestöpselt und fertig: Die Logitech G600 verfügt vorab über drei vorgefertigte, integrierte Modi, die die gängigsten Tastenbelegungen abdecken.
Mittels der unter dem Scrollrad platzierten G8-Taste lassen sie sich durchschalten und durch die unterschiedliche Beleuchtung unterscheiden. Während in Modus 1 die Daumentasten hauptsächlich mit den Zahlen belegt sind, wird damit im Modus 2 der Nummernblock angesteuert. Im Modus 3 werden sowohl Zahlen als Funktionen für “Vor”, “Zurück” und zur Umstellung der DPI-Empfindlichkeit auf die Daumentasten gelegt – dieser Modus eignet sich damit auch besonders gut fürs Surfen oder Arbeiten am PC.
Praktisch: schon allein auf der Oberseite der Maus lassen sich 10 verschiedene Funktionen belegen. Das Scrollrad ist hierbei besonders vielseitig: Es verfügt über normalen Klick, Links- und Rechtsklick, und natürlich die Scrollfunktionen.
Wer allerdings eigene Profile mit selbst gewählten Tastenbelegungen anlegen möchte, muss auf die Logitech Gaming Software zurückgreifen. Hier können die Tasten angepasst und Profile für die verschiedenen Games erstellt werden – dank der leicht verständlichen grafischen Aufbereitung geht das leicht von der Hand.
Im unteren Fensterbereich kann zwischen den Bereichen “Home”, “Tasten anpassen”, “Zeigereinstellungen anpassen”, “Beleuchtungsfarbe anpassen”, “Einstellungen” und “Hilfe” navigiert werden.
Zum Anlegen eines neuen Profils wird einfach oben in ein leeres Feld geklickt. Schon kann der gewünschte Profilname und die Programmdatei des Spiels ausgewählt werden:
Danach werden einfach die einzelnen Tasten im Bild per Klick angewählt und mit der gewünschten Funktion belegt – intuitiver und schneller geht es kaum.
Die Tasten können mittels G-Schaltung (diese wird standardmäßig mit der dritten Maustaste aktiviert) sogar doppelt belegt werden. So können MMO-Spieler beispielsweise mitten im Spiel ihre Tastenbelegung je nach Situation (Bossfight oder normales Questen) oder Charakter wechseln, ohne die Software aufrufen zu müssen.
Clever: Auch eine Testfunktion für die einzelnen Profile ist implementiert. Hier wird sowohl die Funktion als auch die zeitliche Verzögerung des Klicks angezeigt. Und sogar das Exportieren der Profile ist möglich – so könnten die speziellen Spiel-Profile zum Beispiel auch Freunden bereitgestellt werden.
Und wer viel unterwegs ist, den wird eine Funktion besonders erfreuen: Im integrierten Speicher der Maus lassen sich ebenfalls drei Profile speichern! So sind sämtliche Einstellungen und Tastenbelegungen sofort einsatzbereit, egal an welchen Rechner die Maus angeschlossen wird.
Wer die Beleuchtung noch individuell anpassen möchte, sucht sich im entsprechenden Reiter den gewünschten Farbbereich aus, passt die Helligkeit an, und wählt schließlich noch zwischen pulsierender oder wechselnder Beleuchtung aus. Auch Feintuning ist möglich: Die Geschwindigkeit des Beleuchtungseffekts kann angepasst werden.
Auch die einzelnen DPI-Empfindlichkeitsstufen lassen sich in bis zu 5 Stufen im Bereich von 200 bis 8200 regeln. Hier werden Lowsenser und Highsenser gleichermaßen zufriedengestellt:
Die G600 kann mit einem Funktionsumfang punkten, der seinesgleichen sucht. MMO-Spieler können mit dem Daumentasten-Feld bequem den Großteil ihrer Skills aufrufen, verschiedene Profile je nach Spiel anlegen, und die Tasten mittels G-Funktion sogar doppelt belegen – alles ganz intuitiv dank übersichtlicher Darstellung in der Logitech Gaming Software. Und wer keine Zeit zum Anlegen eines Profils vor dem Raid hat, nutzt einfach eines der drei vorgefertigten, sinnvoll belegten Profile.
4. Praxistest
Neben der blanken Vielzahl an Funktionen soll die Maus natürlich auch gut in der Hand liegen und angenehm in Haptik, Bedienung und Komfort sein. Und auch bei längeren MMO-Abenden darf die Hand nicht ermüden.
Bei der G600 hat Logitech eine gute Balance zwischen möglichst vielen Funktionstasten und komfortabel ergonomischer Form gefunden – leider fehlt die geschwungene Auflagefläche für den Daumen wegen der Platzierung des Daumentasten-Feldes. Der Rest der Hand liegt allerdings bequem auf und die drei Finger zum Klicken finden durch die angenehm ausgekerbe Form auf den Tastenflächen von selbst ihren Platz.
Durch die Größe der Klickflächen lässt sich die Hand auch weiter hinten auf der Maus platzieren, um die hinteren Daumentasten zu erreichen, ohne die Funktionalität der Tastenfelder zu verlieren.
Die matte Oberfläche ist Geschmacks- und Gewöhnungssache – im Gegensatz zu glänzenden Oberflächen wird die Optik nicht durch lästige Tapper ruiniert, mancher Gamer bevorzugt allerdings trotzdem letztere Variante. Auch wir haben der glänzenden Variante ursprünglich den Vorzug gegeben – doch letztendlich haben wir uns schon nach kurzer Zeit an die matte Haptik gewöhnt. Wer befürchtet, dass die weisse Maus mit matter Oberfläche besonders anfällig für Schmutzflecken ist, darf beruhigt sein: Unser Testobjekt blieb auch nach einer Woche Dauernutzung strahlend weiß.
Die breiten Teflonfüße der G600 lassen den Logitech-Nager mühelos über verschiedenste Oberflächen gleiten – in Verbindung mit einem Stoff-Mauspad wie unserem Rantopad H1 zeigt die Maus unserer Meinung nach eine ideale Performance.
Sämtliche Tasten überzeugen mit präzisem Druckpunkt. Die Daumentasten sind mehr als praktisch: Sie sind ideal platziert, lassen sich gut erreichen, und durch die geschwungene Form zur Mitte und zu den Seiten hin finden wir uns nach einer angemessenen Eingewöhnungsphase gut zurecht. Auch ein versehentliches Drücken der Daumentasten müssen Gamer nicht befürchten, da die Tasten deutlichen Druck zur Aktivierung erfordern.
Das Vier-Wege-Scrollrad verfügt über eine relativ weiche, doch deutlich wahrnehmbare Rasterung, und kann mit normalem Klick sowie Link- und Rechtsklick bedient werden. So können alles in allem 5 Funktionen allein auf das Mausrad gelegt werden, das durch seine Platzierung natürlich blitzschnell erreichbar ist. Und zum Surfen lässt sich nicht nur die normale Scrollfunktion, sondern zum Beispiel auch das Vor- und Zurückblättern auf das Mausrad legen.
Wo wir von anderen Mäusen die Platzierung der DPI-Empfindlichkeits-Knöpfe mit “Plus” und “Minus” gewohnt sind, befinden sich bei der G600 die G7- und G8-Taste. Die G8-Taste ist standardmäßig mit dem Moduswechsel belegt und lässt sich durch die unterschiedliche Höhe zur G7-Taste auch blind von ihr unterscheiden – gefällt uns! Da das Mausrad deutlich höher ist, besteht auch keine Gefahr, versehentlich die beidem darunter platzierten Tasten zu drücken. Bedienen lassen sich die beiden Tasten allerdings nicht ohne Umgreifen – hierauf sollten also möglichst keine essentiellen Funktionen, die häufig benötigt werden, gelegt werden.
Weniger positiv: Die Logitech Gaming Software zeigt sich in der Bedienung und Tastenzuweisung sehr intuitiv, will dann aber zunächst nicht recht funktionieren. Wir wählen unser Spiel-Profil aus, dass sich auch farblich von den anderen Profilen abhebt, starten Star Wars: The Old Republic und stellen fest: Hier greifen immer noch die Einstellungen des Standard-Profils statt die des aktivierten Spiel-Profils.
Während die in der LGS integrierte Test-Funktion uns vorgaukelt, das Profil würde korrekt die Funktionen auslösen, zeigen uns der Editor unter Windows als auch die nicht stattfindenden Aktivierungen im Spiel das Gegenteil.
Die Lösung des Problems: Wir müssen mit einem Rechtsklick auf das Profil-Symbol in der Software unser SWTOR-Profil als Standard und als dauerhaft festlegen. Zusätzlich geben wir in den Eigenschaften an, dass das Profil im Spiel gesperrt sein soll. Und siehe da: Auf einmal funktionieren die Zuweisungen auch im Spiel korrekt.
Die umfangreich einstellbare Abtastrate macht die G600 in Verbindung mit einer Signalrate von bis zu 1000 pro Sekunde nicht nur für MMO-Spieler zu einer guten Wahl. Sie agiert stets präzise und zuverlässig. Damit eignet sich die G600 auch für Shooter-Spieler, die vermutlich besonders mit dem Vier-Wege-Scrollrad und dem dritten Tastenfeld an Schnelligkeit zulegen können. Dank der Logitech Gaming Software kann ohnehin für jedes Game oder jede Anwendung ein eigenes Profil angelegt werden.
5. Fazit
Logitech versucht mit der G600 in eine recht dünn bestückte Sparte einzusteigen – ähnliche Modelle mit Daumentasten-Feld finden sich eigentlich nur in der kabellosen Razer Naga.
Der Logitech-Nager hat uns auch als erstes Modell dieser Art vom Hersteller überzeugen können: An Qualität und Verarbeitung ist wie gewohnt nicht zu rütteln, während besonders die Platzierung des Daumentasten-Feldes sehr gut gelungen ist.
Die Umstellung auf die ungewohnte Steuerung erfordert zwar ein wenig Geduld und muss eingeübt werden, doch wer sich auf den Funktionsumfang der G600 einlässt, profitiert letztendlich von der schnellen und bequemen Bedienung. Unser Sith-Hexer in SWTOR steuert sich jedenfalls schon nach wenigen Stunden recht flüssig mit den Daumentasten. Und das betrifft nicht nur Spieler von MMOs wie World of Warcraft, Star Wars: The Old Republic, Guild Wars und mehr: Mit tadelloser Präzision punktet die Maus ebenso in Shootern.
Auch vorstellbar: Wer viele Bilder oder Videos bearbeitet, oder andere professionelle Anwendungen benutzt, die am schnellsten per Shortcut bedient werden, könnte sich mit der G600 enorm den Alltag erleichtern. Statt die wichtigen Shortcuts oder Makros für komplexe Aktionen verstreut auf der Tastatur zu platzieren, können sie einfach auf den übersichtlichen Tastenblock der Maus gelegt werden.
Rein optisch weiss die G600 auch enorm zu gefallen: Besonders in der weißen Variante wirkt sie stylish und cool, während sich das beleuchtete Tastenfeld perfekt ins Bild einfügt. Auf das typische “Gamer-Peripherie-Design” hat Logitech erfolgreich verzichtet, ohne am Funktionsumfang geizen zu müssen – das gefällt uns sehr und macht sich auf dem Schreibtisch richtig gut.
Es finden sich wenige Wermutstropfen in dem insgesamt überzeugenden Bild: Die Profile der Logitech Gaming Software funktionieren erst, wenn sie als dauerhaft und Standard festgelegt sind, und müssen zudem noch während des Spiels gesperrt werden – um das herauszufinden, ist ein Besuch auf der Logitech-Seite zur Fehlerbehebung nötig. Eine auswechselbare Oberschale wie bei der Logitech G9x hätte uns zu diesem Preis wirklich gut gefallen, und auch ein abstimmbares Gewicht fehlt. Das besondere Design begeistert auf der einen Seite, führt aber auch zu dem recht großzügigen frontseitigen Spaltmaß – auf die Dauer könnte hier bei unvorsichtigem Gebrauch Staub unter die Tastenfelder kommen.
Insgesamt erhält der Käufer zu einem Preis von derzeit knapp 75 Euro eine Maus, die in fast allen Bereichen mit anderen Top-Modellen mithält – durch das Daumentasten-Feld kann fast keine Konkurrenz im Funktionsumfang mithalten. Wer über die fehlende Gewichtsanpassung hinwegsieht und kabelgebundenen Mäusen den Vorzug gibt, für den dürfte die Logitech G600 zum MMO-Zocken und mehr die “Weapon of Choice” sein.

















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