Kommentar: Ist Googles Kerngeschäft wirklich noch intakt?

Sicher, Google hat mit knapp 2,2 Milliarden US-Dollar Gewinn kein schlechtes Quartalsergebnis hingelegt, erwartet wurde aber mehr. Neben den angeblichen Problembereichen “Mobile Werbung” und “Motorola” wird immer wieder behauptet, Googles Kerngeschäft sei weiter in Ordnung. Aber stimmt das überhaupt?

Dass es nicht einfach ist, mit mobilem Content, also auf Smartphones und Tablets, Geld mit Werbung zu erzielen, liegt allein schon wegen des geringeren Platzes auf den kleineren Displays auf der Hand. Auch Facebook “leidet” ja angeblich unter diesem Problem. Darüber hinaus leide Googles Geschäftsergebnis unter der Übernahme Motorolas, die zudem ein paar Millionen Miese eingefahren haben.

Einer kleinen Recherche zufolge gibt es aber ein “aber”, nämlich dergestalt, dass die Klickzahlen insgesamt sowie im mobilen Bereich weiter stark wachsen. Ein weiteres Argument bringt das Wall Street Journal ins Gespräch:

“Ein wichtiger Faktor für die enttäuschenden Erträge liegt außerhalb von Googles Kontrolle: Der US-Dollar ist stärker als im vergangenen Jahr. Nach Konzernangaben führte das dazu, dass die Kosten pro Klick auf eine Suchtrefferanzeige um 15 Prozent sanken, was die Erträge schmälerte.”

Darüber hinaus merkt die Financial Times an:”Der Konzern kann für Werbung im Browser auf dem PC höhere Preise verlangen.” – die wegen der Verschiebung auf mobile aber nicht mehr so oft geklickt werden, müsste wohl noch angemerkt werden – womit zwei weitere mögliche Gründe für Googles Ertragseinbrüche gefunden sein dürften. Insgesamt stieg die Zahl der auf Werbeanzeigen erfolgten Klicks also zwar um gut ein Drittel, wie heiseschreibt, was diese Effekte zumindest wieder schmälern sollte; tut es aber nicht.

Ausweichgeschäft Hardware?

Woran liegts also wirklich bei Google?
Recht nah mit ihrer Analyse kommt meiner Meinung nach Meryll Lynch, die schreiben: “Die Webseiten-Erlöse seien im dritten Quartal niedriger ausgefallen als angenommen, was die größte Enttäuschung darstelle.”. Hiermit ist natürlich Googles Hauptseite mit der bekannten Suchfunktion gemeint, worauf Google auch bereits mit einigen Gimmicks wie bebilderter Werbung und so reagiert hat. Dass die Seite bzw. die Suche von Google aber weniger lukrativ ist, als sie es mal war oder als sie es sein könnte, liegt eben nicht nur am weniger einträglichen Mobile Geschäft, sondern auch daran, dass andere Seiten mittlerweile viel interessanter sind, als die plan-weiße Oberfläche der Google-Standardsuchseite, die die meisten wohl immer noch nutzen. Die Ursache ist also auch und vielleicht sogar vor allem im Nutzerverhalten zu suchen.

Die schlechten Zahlen haben mich jedenfalls nur wenig überrascht, denn – ohne aus dem Nähkästchen plaudern zu wollen – die von Google zu uns gelinkten User sind zwar immer noch sehr zahlreich, doch es gibt einen großen Konkurrenten, der mittlerweile fast ebenso zahlreich zu unseren Trafficlieferanten zählt: Facebook. Und das ist bei anderen Blogs sicher auch nicht viel anders.

Cui bono?
Ihr mögt denken: “ne, is klar, will der mir jetzt erzählen, Facebook macht Google platt oder was?”, aber das ist nicht der Fall. Dass Anwender heute jedoch vielfältiger agieren ist anhand der Zahlen eigentlich auch nicht mehr von der Hand zu weisen. Zumindest so eine Art Waffengleichheit scheint momentan zu existieren, auch wenn das auf den ersten Blick überraschen mag.

Sogar die überwiegende, medienwissenschaftliche oder medienpsychologische Beurteilungskompetenz hängt immer noch dem Glauben nach, es ginge bei Facebook um “Selbstdarstellung”, was immer mit so ein wenig herunter gezogenen Mundwinkeln geäußert wird. In Wahrheit ist der Netzwerkbetreiber aber “mehr” und sehr wohl eine Bedrohung für Google, zumindest wenn es um die Verteilung des Werbekuchens geht, was man ja nicht zuletzt auch an der Adaption Google-Plus erkennen kann. Der Vorteil Facebooks – und das ist der eigentliche “psychologische” Hintergrund, der Antrieb wenn man so will, dabei zu bleiben und mitzumachen – ist die Inspiration! Hinzu kommt der selbstverstärkende Effekt, dass Nutzer für die gewonnene Inspiration eine ebenso gute Inspiration zurück geben möchten.

Die Menschen sind eben nicht sooo kreativ und nach nunmehr 10 Jahren gut verbreiteter Internetnutzung gibt es nicht mehr viel, was man an “tollen Begriffen” mal googlen will…ganz zu schweigen von komplexeren Ausdrücken, bei denen gerade Laien daran scheitern, gute Suchergebnisse zu erzielen. Hat man das eine Weile gemacht und hat man sich daran gewöhnt, auf schnelle Art etwas über Google herausfinden zu können, gibt es eben nur noch wenige Gründe, sich weiter dort “rumzutreiben”. Bei Facebook ist das Gegenteil der Fall, hier findet man eher die Inspiration, die einen zur weiteren Google-Suche antreiben, hier kann man sich zur Not auch aufhalten und auf Inhalte warten.

Darüber hinaus haben viele Anwender sich daran gewöhnt, unter den ersten Google-Treffern die meiste Werbung zu finden, so dass auch das Klickverhalten sich geändert haben dürfte. Für Google ist das ein Problem, weil dies die teuersten Platzierungen sind. Dass genau diese gewinnbringenden Links mittlerweile umgangen werden (günstige Klicks haben ja zugenommen), weniger Leute überhaupt das Bedürfnis nach Suchanfragen haben und vor allem, dass eben Facebook einen Vorteil durch seinen “Inspirations-Mehrwert hat”, das sind also meine Kernthesen, warum es bei Google nicht mehr so klappt mit den Werbeeinnahmen.

Wer hält dagegen?

About the author  ⁄ Matthias Schleif

Blogger mit Bastelneigung, kaufmännischer Ader und sozialem Anspruch, seit 2008

2 Comments