Kurzkommentar: Wie teuer wird “Graph Search”?

Trotz der Tatsache, dass sich Microsoft schon vor Längerem mit einem kleinen Anteil an Facebook beteiligt hat, wird der Sozialnetzwerkbetreiber die Suchfunktion “Graph Search“, die dieser gestern vorgestellt hatte, wohl kaum umsonst gratis bekommen haben. So lässt sich bei der neuen Funktion wohl hauptsächlich von einem “Zukauf” sprechen, den sich Facebook sicher einiges hat kosten lassen.

Hundert Milliarden US-Dollar hatte Facebook bei seinem Börsengang ja angeblich eingesammelt, aber ein Teil des Geldes wird nun wohl Microsoft zufliessen. Alle Welt spricht zwar davon, dass die beiden Konzerne eine Allianz gegen Google eingegangen seien, aber Facebook wird den “Graph Search” vor allem erst einmal eingekauft haben.

Im Zuge der Entwicklungen mag sich herausgestellt haben, dass auch Microsofts Websuche “Bing” ganz gut eingebunden werden könnte, auf die dann verlinkt wird, wenn innerhalb der Freundeskreise nichts gefunden werden kann. Die Entwicklungskosten für die Facebook-interne Graph-Suche wird das aber kaum geschmälert haben, so dass Microsoft seinem “Partner” in dieser Beziehung sicher auch nur wenig entgegen kommen konnte. Des Weitern wirft Redmond ja auch noch ein wenig Reputation in die Waagschale; eine Eigenentwicklung aus Palo Alto (Facebook) wäre sicher kritischer beäugt worden.

Allianz gegen Google?

Zugegeben, die Art und Weise, auf die sich Graph-Suchanfragen kombinieren lassen, sind recht innovativ und vielfältig, aber den Bedarf und die große Nachfrage daran kann man wohl bezweifeln. Böse Zungen würden womöglich behaupten, so ist das eben: wenn man kleinen Jungs zu viel Geld gibt, kaufen die sich Blödsinn damit. Aber so weit würde ich nicht gehen, denn gänzlich sinnlos ist die interne Suche natürlich nicht. Google kratzt das vorerst sicher nicht, aber Empfehlungssites wie Yelp zittern bereits um ihre Klickzahlen, da Facebook einfach deren Sonder-Suchen mit einbaut. Der Aktienkurs von Foursquare soll ebenfalls schwer gelitten haben, aber zeigt das nicht alles in die selbe Richtung?

Sicher, mit einem “großen Bruder” fühlt sich Facebook womöglich einfach wohler und sicherer und das ist sicher auch der Fall, aber eigene Ideen waren ja wohl Fehlanzeige auf diesem “Event” gestern. Und dann wird sich hingestellt und behauptet, man hätte so ganz doll an den Sachen gearbeitet und den Wunsch der Kunden in den speziellen Suchen “gesehen” (was hätte man sonst neues einbauen können?), dabei werden in Wahrheit einfach ein paar Geschäftskonzepte eingekauft und abgekupfert. Fertig ist die Laube.

Die Aussage, man sei so stolz auf das Ergebnis der vielen Mühen, setzt da dem ganzen nur noch die Krone auf. Kein Wunder, dass dem offiziellen Video die anschließende Fragerunde gekappt wurde.

About the author  ⁄ Matthias Schleif

Blogger mit Bastelneigung, kaufmännischer Ader und sozialem Anspruch, seit 2008

6 Comments

  • Antworten
    John meyr
    16. Januar 2013

    Facebook ist doch eh das Internet für doofe. Völlig egal was die machen – es interessiert mich dochn Furz wieviele meiner Freunde was, wann, wie machen. Ich bin aber auch wahrscheinlich zu alt für son Schwachsinn wie FB.

    • Antworten
      Matthias Schleif Author
      17. Januar 2013

      na ja, dieses ganze Empfehlungs-Marketing ist uns Europäern wohl noch recht fremd und man muss das auch nicht mögen, aber daher kommt die Idee wohl im Kern. Man muss allerdings zugeben, dass es wohl ganz gut funktioniert…