Es gehört ja mittlerweile zu den seltenen Momenten, wenn sich Microsoft-Gründer Bill Gates mal zu Produkten seiner ehemaligen Firma äussert, aber die bevorstehende Veröffentlichung von Windows 8 war ihm wohl mal wieder Anlaß genug. Im Gegensatz zu uns Normalbürgern spielt Bill auch bereits mit einem Surface rum. Doch interessanter, als was er sagt, ist, wie er es sagt.
Was machen viele Väter und gealterte Firmenlenker, die ihre Zöglinge eigentlich sich selbst überlassen wollten, es aber nicht wie gewünscht läuft? Sie schalten sich wieder ein! Das Interview, das Bill Gates nun für Microsoft gegeben hat, scheint ein wenig in diesem Geist entstanden zu sein, auch wenn Gates offensichtlich nicht ganz wohl ist in seiner Haut. So nervös hab ich den jedenfalls noch nie gesehen.
So referiert er etwas hölzern über Windows 8, Windows Phone 8 und die grenzenlose Integration der Office-Software in diese Umgebung, was nur wegen der gemeinsamen Codebasis so möglich gewesen sei, etc. etc., wobei er mit großen Gesten seine Begeisterung rüber zu bringen versucht. Gegen Ende des Interviews erzählt Gates noch von seinem neuen Surface, das er überall rumzeige und das ein so tolles Erlebnis biete. Schlaufuchs der er ist, vergisst Gates nicht darauf hinzuweisen, dass es neben Touch auch andere neuartige Eingabemethoden gibt, die man in Zukunft ebenfalls einbinden werde. Sehr viele andere Punkte konnte er aber nicht nennen, in denen Microsoft deutliche Vorteile gegenüber der Konkurrenz hat…und wirklich etwas Neues hat er ja auch nicht erzählt.
Daher muss das Interview um so mehr unter dem Werbeaspekt betrachtet werden, aber funktioniert das auch? Oder erweist Bill seinem alten Team damit eher einen “Bärendienst”, weil man das Misstrauen gegenüber dem eigenen Nachwuchs durchriecht? Ich weiß es nicht genau, vermutlich reicht allein schon die durch ein solches Interview erzielte Aufmerksamkeit, um einen entsprechenden Werbeeffekt zu erzielen. Steve Ballmers Position stärkt das aber nicht gerade.
Es hat halt etwas Absurdes, wenn Gates die Idee des App-Store als was ganz Tolles lobt (“..tons of apps”) oder er dem Surface wegen seiner natürlichen Eingabemöglichkeiten und seiner Variabilität eine glorreiche Zukunft voraussagt, denn das sind ja eigentlich Erfolge anderer Hersteller. Als er dann auch noch erläutert, wie dufte es ist (“people will say: whow”), dass man eine Tastatur ans Surface anstecken kann und dass man es mit sich rumtragen kann und was auch das für ein tolles Erlebnis ausmacht, wird es ihm scheinbar kurz auch selbst bewusst, doch sowas muss natürlich schnell runter geschluckt werden.
Den Enthusiasmus, den Spirit und die zugehörige Inspiration seiner Umwelt bekommt Gates eben nicht wirklich rübergebracht, egal wie sehr er sich bemüht, vermutlich weil nur wenig davon wirklich vorhanden ist. Laut Aussage sieht der ehemals reichste Mann der Welt – wohl ganz zu Recht – Microsoft zur Zeit an einem “absolutely critical point” angekommen, was man auch seiner anfänglichen Nervosität entnehmen kann, in der sich die Wichtigkeit der Aktion für ihn wiederspiegelt.
Doch seien wir nicht zu kritisch, er hats ja sicher nur gut gemeint. Auch wenn Steve Balmer vermutlich dasselbe erzählt hätte, kann man ja verstehen, dass an diesem entscheidenden (critical) Punkt der Firma versucht wird, die größere Popularität Gates auszunutzen…wenn er nur nicht so zweifelnd schauen würde die ganze Zeit.



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