Facebook liest nicht nur Chats und Nachrichten seiner Nutzer mit, wie das Unternehmen vor kurzem eingeräumt hat, nun dürfen auch Seiten, die man „geliked“ hat, im Namen des Nutzers Werbe-Posts an die eigenen Freunde veröffentlichen. Gefällt mir nicht…
Wer skeptisch ist, was Facebook mit den Daten seiner Nutzer so alles anstellt oder sich im sozialen Netzwerk Sorgen um seine Privatsphäre macht, dem blieb bisher vor allem eine Möglichkeit: Einfach nichts posten. Doch das könnte bald nicht mehr ausreichen.
Wer einmal bei einer Fanseite auf „Gefällt mir“ geklickt hat, dem kann es nun passieren, dass die Macher der Seite im eigenen Namen an die Freunde Nachrichten posten. Dies berichtet das Magazin ZDNet und verweist auf entsprechende Vorfälle in den USA.
Dort sind einige entsprechende Beiträge aufgetaucht: Unter dem Hinweis, dass einem Freund eine Seite gefällt, erscheint direkt ein Beitrag der jeweiligen Seite. Das kann harmlos sein, aber auch zu problematischen Verwicklungen führen, wie die Screenshots zeigen:
Wer möchte schon, dass alle beruflichen Kontakte bei Facebook sehen, ob mir Partei X oder Politiker Y gefällt? Und auch der Nutzer, der bei der Fanseite der Online-Drogerie auf „Gefällt mir“ geklickt hat, dürfte wohl eher unangenehm berührt sein, wenn eine Werbung für ein „romantisches Kosmetikset“ mit Massageöl und Gleitgel mit seinem Namen auftaucht…
It´s not a bug, it´s a feature.
Was sagt Facebook zu den Vorfällen? Das ganze sei kein Bug, sondern ein neues „Feature“, so das Unternehmen in einer Stellungnahme gegenüber ZDNet. Schließlich könne der Nutzer solche Beiträge auch wieder löschen oder für andere verbergen. Noch ist vieles unklar, was das neue „Feature“ angeht. Es könnte sich bisher lediglich um eine Art Testlauf in den USA handeln, bevor Facebook den Bug…, Verzeihung, das Feature dann global einführt.
Was meint Ihr dazu? Habt Ihr solche Vorfälle in eurem News-Stream bei Facebook auch bereits entdeckt?
Facebook geht auf Verbrecherjagd
Auch mit einem zweiten Thema erregt Facebook derzeit Aufmerksamkeit: Das soziale Netzwerk scannt offenbar die Beiträge seiner Nutzer, auf der Suche nach kriminellen Vorgängen. Das Ganze geschieht laut Facebook automatisiert per Software. Nachrichten und Chats würden erst dann von Facebook-Mitarbeitern gelesen, wenn es konkrete Hinweise auf ein Verbrechen gebe, so Facebooks Chief Security Officer gegenüber Reuters. Der Sprecher verweist auf einen Vorfall aus den USA:
Ein Mann Anfang 30 hatte sich mit einem 13-jährigen Mädchen per Facebook über Sex unterhalten und sich mit dem Mädchen für den kommenden Tag verabredet. Ein Facebook-Mitarbeiter habe daraufhin den von der Software als gefährlich eingestuften Chat gelesen, die Polizei informiert und diese den Mann verhaftet, so die Darstellung von Facebook. Auch in Deutschland gehe Facebook in ähnlichen Fällen auf die deutschen Ermittlungsbehörden zu, wie Sueddeutsche.de berichtet.
Wenn Straftaten verhindert werden, wie in einem solchen Fall, bleiben in der Tat wenig bis gar keine Argumente übrig gegen das Verhalten von Facebook. Dennoch hinterlässt das Vorgehen ein flaues Gefühl im Magen, wenn Facebook Weltpolizei spielt, wie Casi in seinem Blog schreibt. Schließlich besteht die Gefahr, dass Gespräche falsch interpretiert werden:
„Wenn ich nun eine alte Freundin bei Facebook wiederfinde, die es witzig findet, sich dort als 15-jähriges Mädchen auszugeben, sollte ich also vermutlich davon absehen, mich mit ihr zu verabreden, damit man mir zu Hause nicht die Tür eintritt.“
Laut Aussage von Facebook scannt die Software nur Gespräche von Nutzern, die sich in Ihrem Profil extrem unterscheiden, etwa was Altersunterschiede angeht oder wenn sich Nutzer erst kurze Zeit kennen oder keine gemeinsamen Bekannten haben. Was meint Ihr zu dem Vorgehen von Facebook, ist das legitim? Schreibt uns Eure Meinung in den Comments.



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