Neuer Upload-Service “Mega” gestartet: Kim Dotcom wird bieder, bleibt erfolgreich

Kim “Dotcom” Schmitz is back! Exakt zwei Jahre nach den spektakulären Festnahmen des deutschen Unternehmers und einiger anderer, ähnlich engagierter Geschäftsleute in Neuseeland, startete dieser gestern seinen neuen Cloud-Service mega.co.nz der im Kern dem des alten Service “Megaupload” entspricht und sich durch die Möglichkeit zum anomymen Dateitausch auszeichnet. Mit einem entscheidenden Unterschied.

Die Funktion an sich, per öffentlichem Link eine nicht-öffentliche, verschlüsselte Datei einem Bekannten zugänglich zu machen, steht zwar weiterhin zur Verfügung. In den Copyright-Bestimmungen von mega.co.nz ist aber zu lesen, dass man sich streng an das Gesetz zu halten gedenkt und auch nicht vor der Weitergabe persönlicher Daten zurück geschreckt wird.

Mut zur Lücke

Im Gegensatz zur früheren Vorgehensweise klingt das wohl ein wenig zahnlos, angesichts der Erfahrungen mit der Staatsgewalt in der letzten Zeit aber eine nachvollziehbare Entscheidung von Kim und seinen Mitstreitern. Da man solche Funktionen aber auch bei DropBox, Google Drive und anderen bekommen kann, fragt sich jedoch, warum ich mich ausgerechnet bei Mega anmelden sollte. Auch passende Apps für den mobilen Zugriff oder die Integration in bestehende Infrastrukturen sind noch Fehlanzeige, die hohe Nachfrage bereits am ersten Tag macht aber zuversichtlich, dass sich das bald ändert.

So hat man sich – möglicherweise nur für den Anfang – überlegt, 50 GB Speicherplatz kostenlos anzubieten, womit man eben alle Konkurrenten übertrumpft. Allerdings zum Preis eines hohen Preises, also höherer Betriebskosten. Dennoch, bis der erste Kunde seine 50 GB voll hat, werden ja ein paar Tage vergehen…genügend Zeit, im neuseeländischen PC-Shop seines Vertrauens mal eben ein paar Festplatten zu kaufen und in den Server zu stopfen.

Guter Start, trotz…

Noch mehr Zeit gewinnt man, wenn man sich von der überwältigenden Nachfrage überrascht zeigt und mit den Strukturanpassungen nicht hinterher kommt, aber seien wir nicht gehässig, sondern eher neidisch. Denn, so versichert Kim noch per Twitter, immerhin habe er “das schnellstwachsende Internet Startup aller Zeiten” gegründet, in der ersten Stunde hätten sich bereits mehr als 100.000 Benutzer einen Account erstellt. Und das sei eben so viel, wie nirgends zuvor…wenn auch erstmal nur auf die erste Stunde bezogen.

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Dennoch kann man wohl glauben, dass die Nachfrage ziemlich stark ist, denn offensichtlich hat man wirkliche Probleme mit der Aufrechterhaltung des Service. Berichteten erste Anmelder noch vom problemlosen Funktioniern des Dienstes, kamen kurz danach auch schon erste Beschwerden auf, der Server verschicke keine Bestätigungsmails mehr. Kurz darauf funktionierte das zwar wieder, aufgrund der hohen Auslastung hatte Kim aber wohl vorerst den Fileserver dahinter abgeschaltet. Dass daraufhin wieder Beschwerden kamen ist zwar verständlich. Dass mega.co.nz, wie die genaue Adresse lautet, erst Anmeldungen abarbeiten wollte, bevor sie den Service wieder aufschalten, aber mindestens ebenso.

Kurzer Test gefällig?

In den nächsten Tagen sollte man das Problem in den Griff bekommen, sonst droht noch “wirklich” schlechte Presse. Alles in allem bisher nicht mehr als ein turbulenter Start für diesen bieder gewordenen Service.

Wer wissen möchte, wie es ist, diesen Service auszuprobieren, ohne sich selbst anzumelden, sollte sich den Bericht bei Caschy durchlesen, der sich den ganzen Vorgang mal gegönnt hat. Dort findet man auch Infos zu den geplanten Apps, Funktionen und – vor allem – den Einschränkungen, denn auch davon gibt es einige. Wer nicht bereit ist, sich auf Chrome als Browser einzulassen, kann sich den Versuch beispielsweise schon sparen. Das ist aber sicher nur eine Frage der Zeit, wenn sich denn der Service nicht als kompletter Flop erweist.

Dass es dazu nicht kommt, ist sogar jeder eingeladen, Apps zu entwickeln und einzureichen. Man kann sich aber auch aufs Hoch- und Runterladen beschränken.

About the author  ⁄ Matthias Schleif

Blogger mit Bastelneigung, kaufmännischer Ader und sozialem Anspruch, seit 2008

One Comment

  • Antworten
    22. Januar 2013

    “Kim Dotcom wird bieder …”
    Gerade gelesen:
    Die unternehmerische Karriere von Kim Schmitz ist gepflastert von unzähligen verprellten Geschäftspartnern, Aktionären und Kunden. Trotzdem stürzen sich jetzt Hunderttausende auf seinen neuen Online-Speicherdienst Mega – unter anderem, weil ihre privaten Daten in der Kimble-Wolke besonders sicher sein sollen. Paradox.
    Details:
    http://t3n.de/news/mega-kim-schmitz-einmal-meinen-438035/