Point of View PROTAB2 IPS – Transformer Pad für Arme?

Da Apple mit seinem iPad das Premiumsegment für sich gepachtet hat, bleibt gerade weniger bekannten Tablet-Herstellern meist nur der Einstieg über die Preis-Schiene. Der niederländische Grafikkarten-Spezialist Point of View schickt sein Einstiegs-Tablet PROTAB2 IPS ins Rennen um die Käufergunst, welches zum günstigen Preis ein IPS-Panel und Android 4.0 bietet…

Andere Tablets haben es nicht leicht, neben dem Platzhirsch Apple iPad zu bestehen – erst recht nicht, seitdem das neue Apple iPad mit seinem hochauflösenden Retina-Display neue Maßstäbe gesetzt hat. Für die anderen Hersteller bleibt damit nur eins: Entweder versucht man als Tablet-Produzent mit besonderen Ausstattungsmerkmalen wie z.B. Quadcore-Prozessoren Kontrapunkte zu setzen, oder aber man bemüht sich um möglichst geringe Kosten, und versucht die preisbewussten Kunden für sich zu gewinnen. Das setzt zwar weniger technologische Exzellenz voraus, aber dafür muss mit umso spitzeren Bleistift gerechnet werden, will man ein preislich attraktives Tablet anbieten, welches dennoch überzeugende Ausstattungs- und Leistungsmerkmale bietet.
Ob dieser schwierige Spagat Point of View mit seinem PROTAB2 IPS gelungen ist?

Ausgepackt: Design, Verarbeitung & Lieferumfang

Der Lieferumfang des Point of View PROTAB2 IPS beinhaltet neben dem eigentlichen Tablet zwei mehrsprachige Bedienungsanleitungen, ein USB-Datenkabel, In-Ear-Kopfhörer sowie ein Netzteil. Kauft man anstelle der Stand-Alone-Version das PROtab 2 IPS Business-Set, so ist noch eine Bluetooth-Tastatur im Lieferumfang enthalten, welche sich auch als Tablet-Cover verwenden lässt.

Verpackung

PROtab 2 Tablet

Lieferumfang

Nimmt man das Point of View Protab2 zum ersten Mal in die Hand, macht sich Ernüchterung breit: Zwar verlangt niemand bei einem so günstigen Tablet einen echten Hingucker, erwarten darf man aber dennoch etwas mehr Sorgfalt beim Design; denn das scheint etwas lieblos: Das Display ist nicht eben in das Chassis eingearbeitet, sondern ragt trapezförmig aus der silbernen Gehäuserückseite heraus – und das wirkt wirklich unansehnlich und billig. Wäre es denn produktionstechnisch so viel teurer geworden, das Panel besser in das Gehäuse einzuarbeiten, und bündig mit den Gehäuserand abschließen zu lassen?

Rückseite PROtab 2

herausragendes Panel

Auch sonst kann das Point of View Protab2 designtechnisch keinen Blumentopf gewinnen: Da die Gehäuserückseite im silberfarbenen Alu-Look gehalten ist, erinnert das Point of View Tab an die unseligen Zeiten, als das phantasielose schwarz-silberne Design ein unfehlbares Erkennungsmerkmal ebenso preiswerter wie unterdurchschnittlicher Einstiegs-Notebooks war. Man erkennt also schon am Gehäuse, dass das PROTAB2 hauptsächlich durch den Preis seine Käufer gewinnen will.

Aber mag das Design auch dürftig sein, die Verarbeitung geht in Ordnung. Das Gehäuse ist ausreichend stabil, und lässt sich auch durch beherztes Zupacken kaum verwinden. Dafür ist aber ein deutliches Knarzen zu vernehmen, wenn man das Protab2 etwas gröber anfasst.

Anschlüsse & innere Werte

Sämtliche Tasten, Anschlüsse und Schnittstellen befinden sich an der rechten Gehäusekante, als da wären (von oben nach unten):
Der An-Aus-Schalter (gleichzeitig die Displaysperre); eine Taste um die Lautstärke zu erhöhen sowie eine Taste, um die Lautstärke zu verringern (eine Lautstärkewippe wäre meiner Meinung nach praktischer gewesen); der Stromanschluss; ein Mini-USB-Port; ein HDMI-Port; ein Kopfhörer-Anschluss; sowie ein Slot zur Aufnahme von micro-SD-Karten.
Die Gehäuse-Rückseite beherbergt neben der 2-Megapixel-Kamera die beiden Lautsprecher; an der Vorderseite ist die 0,3-Megapixel-Webcam angebracht.

Anschlüsse PROtab 2 IPS

An inneren Werten bringt das Protab2 IPS einen Cortex A8 Prozessor, der mit 1 GHz getaktet ist, und sich laut Point of View auf bis zu 1,2 GHz hochtakten kann. Der CPU stehen an Arbeitsspeicher 1024MB RAM zur Seite. Für die Grafikwiedergabe ist eine Mali 400 GPU verantwortlich. An Funkverbindungen ist neben b/g/n-WLAN auch Bluetooth 2.1 an Bord; ein UMTS-Modul kann man hingegen für diese Preisregion noch nicht erwarten.

Technische Eckdaten Point of View PROtab 2 IPS

  • Cortex A8 CPU mit 1 GHz Takt
  • 1024MB RAM
  • 8GB interner Speicher (per microSD-Karte erweiterbar bis 32GB)
  • 9.7 Zoll Display mit IPS Panel und 1024×768 Pixeln Auflösung
  • 2-Megapixel Kamera auf der Rückseite; 0,3 Mepapixel-Cam an der Vorderseite
  • HDMI, Bluetooth, b/g/n WLAN
  • Betriebssystem: Android 4.0
  • Abmessungen: 242x189x9 mm
  • Gewicht: ca. 600g

Die Spezifikationen des Point of View PROtab 2 IPS findet ihr auch auf der Herstellerseite

Bedienung mit Touch & Tastatur

Ein Tablet wird ja naturgemäß in erster Linie über den Touchscreen bedient, welcher auch im Falle des PROtab 2 IPS alle gängigen Multitouch-Gesten unterstützt. Nur dauert es seltsamerweise verdächtig lange, bis ein Text herein- oder herausgezoomt wird. Auch bei dem Blättern zwischen den verschiedenen Homescreens muss man störende Ruckler in Kauf nehmen – seltsam, denn eigentlich müsste die Hardware doch schnell genug für solche Tablet-Grundaufgaben sein. Multimedia-Dateien werden jedenfalls ruckelfrei wiedergegeben; selbst Full-HD-Videos laufen flüssig (wenn auch natürlich in reduzierter Auflösung, da das Panel keine Auflösung von 1080p bietet).

Legt man gut 40 Euro auf den Kaufpreis drauf, bekommt man das PROtab 2 IPS Business Set, bei dem noch eine Bluetooth-Tastatur im Lieferumfang enthalten ist. Diese lässt sich auch als Cover für das PROtab 2 verwenden.

Keyboard

Bluetooth-Keyboard

Statusleuchte

Die Idee, einem Tablet durch eine optionale Tastatur zu etwas “Notebook-Feeling” zu verhelfen ist nicht ganz neu – das kennen wir ja bereits vom ASUS Transformer Pad. Im Gegensatz zum Transformer Pad wird die Tastatur einfach per Bluetooth mit dem Tablet verbunden, und verfügt nicht über einen proprietären Anschluss. Das ist einerseits komfortabel, heißt aber auch andererseits, dass es nicht möglich ist, mithilfe der externen Tastatur die Akkulaufzeit zu verlängern. Auch sucht man weitere Anschlüsse vergeblich – das externe Keyboard dient also wirklich nur der Texteingabe. Positiv ist aber, dass die externe Chiclet-Tastatur über einen deutlichen Druckpunkt und einen überraschend großen Tasten-Hub verfügt – auch längere Texte lassen sich recht komfortabel verfassen.

Klappmechanismus

angedockt

Tablet mit Cover

Display & Multimedia

Wie bereits angesprochen, werden Multimedia-Dateien trotz der recht hakeligen Bedienung anstandslos wiedergegeben; selbst Full-HD Videos laufen flüssig und ohne die geringsten Aussetzer. Auch Flash-Videos laufen anstandslos; für manche Seiten ist es allerdings notwendig, den Browser als Desktop-Browser auszugeben.

Die Tonausgabe erfolgt über zwei kleine Lautsprecher auf der Rückseite. Die von diesen Boxen erzeugte Soundkulisse ist ausreichend lautstark, aber sehr bassarm und zudem recht unsauber. Dreht man die Lautstärke voll auf, wird der Klang extrem verzerrt. Schließt man Kopfhörer an, ist der Klang erwartungsgemäß viel besser; erstaunt war ich dann aber doch über die gute Qualität der mitgelieferten Knopf-Kopfhörer, welche sowohl Höhen als auch Bässe überraschend gut wiedergeben. Wenn man nicht gerade allzu audiophil ist, dürfte man mit diesen mitgelieferten Headphones auskommen.

Landschaft

Gebäude mit Baum

Bach

Nahaufnahme

Absolut enttäuschend ist hingegen die Qualität der auf der Rückseite befindlichen 2-Megapixel Kamera: Selbst bei hellstem Licht geraten die Bilder unscharf und verschwommen; Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen sind aufgrund der lichtschwachen Linse und der fehlenden Fotoleuchte überhaupt nicht möglich. Für Videochats, Skype & Co. befindet sich an der Vorderseite eine Webcam, welche aber mit 0,3 Megapixel Auflösung ebenfalls nicht wirklich berauschende Ergebnisse liefert.

Kamera

Webcam

Webcam-Foto

Das Display des PROtab 2 spiegelt sehr stark, und insbesondere Fingerabdrücke sind auf dem knapp 10” großen Touchscreen sehr gut zu sehen. Dafür bietet es aber dank des IPS Panels eine gute Blickwinkelstabilität; sämtliche Inhalte sind aus nahezu allen Winkeln problemlos ablesbar. Das gilt aber nicht bei hellem Umgebungslicht; denn aufgrund der recht schwachen Leuchtkraft ist das günstige Point of View Tablet nur bei verhaltenem Sonnenschein für den Einsatz außerhalb der vier Wände geeignet.

Spieglein an der Wand…

Display im Outdoor-Einsatz

Benchmark-Parcour

Da das Point of View Protab2 bei der täglichen Bedienung bisweilen stark ruckelt, bewegt sich die gefühlte Geschwindigkeit eher im unteren Bereich. Interessant ist aber, wie sich das ProTab2 von den reinen Messwerten im Vergleich zu anderen Tablets einordnet.

Point of View Protab2 ASUS Transformer Pad TF301T Viewsonic ViewPad 10e
AnTuTu Benchmark 2856 9259  1892
NenaMark2 22,2 fps 44,0 fps  10,6 fps
PassMark PerformanceTest Mobile (Overall) 1024 1724 n.a.
Quadrant Standard Edition 2102 3992 1972
Vellamo Mobile Web Benchmark 682 1407 632

Fazit: Leistungmäßig bewegt sich das Point of View Protab2 ungefähr auf dem Niveau des vormals getesteten Viewsonic ViewPad 10e. Ebenso wie das Protab2 verfügt auch das ViewPad 10e über einen mit 1Ghz getakteten Cortex A8 Prozessor; allerdings kann das Protab2 dank des doppelt so großen Arbeitsspeichers höhere Punktzahlen in den Benchmarks einfahren. Mit einem Quad-Core-Boliden wie dem ASUS Transformer Pad TF301T können unsere preiswerten Einstiegs-Tablets natürlich nicht mithalten.

Fazit – Transformer Pad für Arme?

Leicht hat es PROtab 2 nicht, denn es kann seine Käufer weder durch ein gefälliges Design noch durch eine imponierende Ausstattung gewinnen. Auch die miserable Kamera und die unterdurchschnittliche Performance dürften so manchen Käufer abschrecken. Punkten kann das preiswerte Einstiegs-Tablet aber mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, denn angesichts des günstigen Preises ist das Gesamtpaket aus modernem Android 4.0 Betriebssystem, blickwinkelstabilem IPS-Panel und ausreichend solider Verarbeitung im Großen und Ganzen doch überzeugend. Empfehlenswert ist insbesondere das PROtab 2 IPS Business Set, erhält man hier für einem moderaten Aufpreis eine überraschend komfortable Tablet-Tastatur mit deutlichem Druckpunkt, welche gleichzeitig auch als Tablet-Cover dienen kann.

Pro & Contra

+ günstiger Preis
+ Android 4.0
+ blickwinkelstabiles IPS-Panel
+ HDMI-Port
- Leuchtschwaches Display
- zähflüssige Bedienung
- miserable Kamera
- dürftiger Sound der integrierten Boxen
- altbackenes Design

About the author  ⁄ Daryush Ghassemi

5 Comments

  • Antworten
    sklepy15890
    12. Juli 2012

    @Dary: gibt es eigentlich das Keyboard auch separat?

    • Antworten
      Dary Author
      16. Juli 2012

      Hallo sklepy15890,

      Danke für deine Anfrage,
      das Keyboard ist grundsätzlich auch separat erhältlich.
      Bei Interesse kann ich mich nach dem Preis erkundigen.
      Grundsätzlich würde ich aber einfach das Business-Set empfehlen ;)

  • Antworten
    sklepy15890
    16. Juli 2012

    thx @Dary.
    Dachte mir, das dieses Board auch zum ASUS Transformer passen könnte statt ner Docking und ebenfalls zum Smartphone. Alternativ ginge natürlich auch ein Luxa2 Slim BT. Aber das Board vom PROTAB würde mir persönlich reichen

  • Antworten
    florian
    29. November 2012

    Kann man tas protap mit dem handy verbinden und dessen mobiles internet verwenden oder funktioniert nur wlan?

  • Antworten
    18. Januar 2013

    Wird es ein Update auf 4.1 geben ?